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Meine ersten neunzig Jahre
René Groebli: "Freihändig Velofahren", 1946 / Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

René Groebli »

Meine ersten neunzig Jahre

Exhibition: 30 Sep – 24 Nov 2017

Fri 29 Sep 17:00 - 20:00

Johanna Breede PHOTOKUNST

Fasanenstr. 69
10719 Berlin

+49 (0)30-88913590


www.johanna-breede.com

Tue-Fri 11-18 + by app.

Meine ersten neunzig Jahre
© René Groebli, o. T. aus 'Das Auge der Liebe' #532, Paris 1953 / Courtesy Johanna Breeed PHOTOKUNST

René Groebli
"Meine ersten neunzig Jahre"


Exhibition: 30 September - 24 November, 2017
Exhibition opening: Friday, 29 September, 5–8pm

They say that love never ends. It hopes for everything and seeks the truth; it does not bear grudges; it sustains. Perhaps one only needs to learn to see properly – with eyes willing to believe and to tolerate everything. Eyes anticipating a stretched back to suggest the grace of Nike with broken wings and a fleeting pose to suggest a poetic "film noir". The Swiss photographer René Groebli has such eyes - they transform the world. His eyes create a sensual landscape from an elongated neck and the white flag of Eros from a negligee draped on a hanger.

René Groebli is said to have eyes of love. The photographer, born 1927 in Zurich, published his most important photo book to date in 1954, choosing the romantic title: "The Eye of Love". At that time not many people understood this. At least in the "old" Europe the compilation of 25 black and white images turned out to be a shelf-warmer. The much too prude 1950s still had to get used to this type of subjective and simultaneously radical sensual imagery. Whereas Edward Steichen soon purchased prints from the book for the MoMA, New York, Swiss critics considered the images, created by Groebli two years earlier in a rundown hotel room in the Paris district of Montparnasse, as suggestive and too frivolous. Today, the thin, then self-published small book is a classic. The often blurry portraits and body studies, taken by the 26 year old photographer of his wife Rita Groebli in Paris, not only show the talent for composition and cinematographic eye he possessed – the small photo book is above all a fragile ode to love per se. For the magical tenderness, which Groebli was able to capture in front of tattered wallpaper and worn furniture, transcended the situation of two people in a hotel. In the many poses and silhouettes Groebli‘s eyes not only sought what was tangible. He sought the image which surpassed all other images.

On October 9, René Groebli will turn 90. On the occasion of this birthday the Berlin gallery Johanna Breede PHOTOKUNST is showing the exhibition "My First Ninety Years", paying tribute to perhaps one of the most important Swiss photographers of the 20th century, next to Werner Bischof and Robert Frank. The total of 36 works – many from the legendary 1954 photo book – represent the work of a great visionary, who not only sought to capture the perfect form but also subjective perception.

Groebli was looking for much more than love. Before the trained documentary cameraman engaged in looking at the fleeting play of shadows and body parts during several nights in Paris, he had worked and traveled half the world as a photo reporter for the "Züricher Woche" – later also for "Life", "Picture Post" and the English agency "Black Star". He had seen the bitter poverty in Ireland and the oil crisis in the Middle East. His portraits of people – such as that of the aging Charlie Chaplin or the young photographer Robert Frank – are the expression of great compassion; his series appear to be incomparable films made up of photos. But what would all this aestheticism have been without love? Without his gaze on Rita’s dimple or the negligee on a hanger? As the saying goes, without love everything would be nothing. The eye of love, however, transforms the world. (Ralf Hanselle)

Meine ersten neunzig Jahre
© René Groebli, o. T. aus 'Magie der Schiene', #559, 1949 / Courtesy Johanna Breeed PHOTOKUNST

René Groebli
"Meine ersten neunzig Jahre"


Ausstellung: 30. September bis 24. November 2017
Eröffnung: Freitag, 29. September, 17-20 Uhr

Die Liebe, heißt es, höre niemals auf. Sie hoffe alles und suche die Wahrheit. Sie trüge nicht nach; sie hielte stand. Vielleicht muss man nur lernen, richtig zu sehen – mit Augen, die alles glauben und alles dulden. Augen, die in einem gedehnten Rücken die Anmut einer Nike mit gebrochenen Flügeln und in einer flüchtigen Pose einen poetischen "film noire" erahnen. Der Schweizer Photograph René Groebli hat solche Augen. Augen, die die Welt verwandeln. Die aus einem hingestreckten Nacken eine sinnliche Landschaft und aus einem Negligé an einem Kleiderbügel die Weiße Fahne des Eros formen.

René Groebli, heißt es, habe Augen der Liebe. Als der 1927 in Zürich geborene Photograph 1954 sein bis heute wichtigstes Photobuch veröffentlichte, da wählte er diese romantische Wendung zum Titel: „Das Auge der Liebe“. Verstanden hat das damals kaum jemand. Denn zumindest im alten Europa blieben die insgesamt 25 Schwarzweiß-Aufnahmen weitestgehend ein Ladenhüter. Die allzu prüden 50er Jahre mussten sich an eine derart subjektive, zugleich aber auch radikal sinnliche Bildsprache noch gewöhnen. Während Edward Steichen bald schon Abzüge des Werkes für das MoMA in New York ankaufte, hielten Schweizer Kritiker die Bilder, die Groebli zwei Jahre zuvor in einem heruntergekommenen Hotelzimmer im Pariser Stadtteil Montparnasse aufgenommen hatte, für anzüglich und zu frivol.

Heute ist das dünne und einst im Eigenverlag publizierte Büchlein ein Klassiker. Die oftmals verschwommenen Porträts und Körperstudien, die der Photograph von seiner Frau Rita Groebli in Paris gemacht hatte, erzählen nicht nur vom kompositorischen Talent und vom cinematographischen Auge des damals 26jährigen Photographen. Der kleine Bildband ist vor allem eines: Eine zerbrechliche Ode an die Liebe schlechthin. Denn jene magische Zartheit, die Groebli damals vor abgewetzten Tapeten und verlebten Möbeln einfangen konnte, überstieg die Situation zweier Menschen in einem Hotel bei weitem. In den vielen Posen und Silhouetten suchte Groeblis Auge nicht nur das Konkrete. Es suchte das Bild, das über alle Bilder hinausging.

Am 9. Oktober wird René Groebli 90 Jahre alt. Die Berliner Galerie Johanna Breede PHOTOKUNST nimmt diesen Geburtstag zum Anlass, um mit der Ausstellung "Meine ersten neunzig Jahre" einen der neben Werner Bischhof und Robert Frank vermutlich wichtigsten Schweizer Photographen des 20. Jahrhunderts zu ehren. Mit insgesamt 36 Arbeiten – viele davon aus dem legendären Bildband des Jahres 1954 – wird hier das Werk eines großen Visionärs gezeigt, der mit seiner Kamera nicht nur die perfekte Form, sondern immer auch die subjektive Empfindung einzufangen versucht hat.

Dabei suchte Groebli weit mehr als die Liebe. Bevor der ausgebildete Dokumentarfilm-Kameramann auf all die flüchtigen Schatten- und Körperspiele einiger Nächte in Paris blicken konnte, hatte er als Photoreporter für die "Zürcher Woche" – später auch für "Life", "Picture Post" und die englische Agentur "Black Star" – den halben Globus bereist. Er hatte auf die bittere Armut in Irland oder auf die Ölkrise im Nahen Osten geblickt. Seine Menschenbilder – etwa vom gealterten Charlie Chaplin oder von dem jungen Photographen Robert Frank – waren Ausdruck großer Anteilnahme; seine Serien wirkten wie unnachahmliche Filme aus Fotos. Doch was wäre all diese Ästhetik ohne die Liebe gewesen? Ohne den Blick auf Ritas Grübchen oder auf ein Negligé an einem Kleiderbügel? Ohne die Liebe, heißt es, wäre alles nichts. Das Auge der Liebe aber verwandelt die Welt. (Ralf Hanselle)

Meine ersten neunzig Jahre
© René Groebli, Le Corbusier, #286, 1954 / Courtesy Johanna Breeed PHOTOKUNST